"Menschen wie du und ich"

Wenn wir nur zwei Sätze hätten, um unsere Gäste zu beschreiben, dann würden wir das folgendermaßen tun:

 

Sie sind vollkommen unterschiedlich, haben eine ganz individuelle Herkunft und Geschichte.

 

Und:

 

Sie alle eint, dass sich ihr Leben an irgendeinem Punkt in eine Richtung entwickelt hat, die sie an den Rand der Gesellschaft gespült hat, so dass bereits ein warmer Teller Suppe und ein freundliches Gespräch zu etwas unermesslich Wertvollem werden.

Manche unserer Gäste haben ein „früheres Leben“. Sie standen mit beiden Beinen im Leben, hatten Familie und Beruf. Manche Gäste sind hingegen als Heimkinder ohne echte Wurzeln von Anfang an in ein Leben als Einzelkämpfer hineingewachsen. Wenn es einen Wendepunkt im Leben gab, so kam dieser in vielen Fällen plötzlich zum Beispiel durch eine unüberwindbar scheinende Krise, den Ausbruch einer seelischen wie körperlichen Erkrankung oder auch durch die Flucht über das Mittelmeer vor Krieg und Verfolgung.

Im Gespräch berichten einige Gäste von Fehlern in der Vergangenheit, die sie zutiefst bereuen und nicht mehr ungeschehen machen können. In anderen Fällen fällt wiederum auch dem noch so patenten Zuhörer nicht viel ein, was die Entstehung dieser Situation hätte verhindern können.

Eine der spannendsten Erkenntnisse im Umgang mit unseren Gästen ist, dass jeder von ihnen eine ganz besondere und oft unendlich bewegende Geschichte zu erzählen hat - sofern sich nur ein Zuhörer findet. Wenn man sich auf sie einlässt, eröffnen die Menschen am Rande unserer Gesellschaft im Gespräch einen ganz besonderen Erfahrungsraum. Sich uns anzuvertrauen ist wiederum ein Geschenk, das unsere Gäste uns machen können.